Die Sperrung, die keine ist…
Gestern verbreitete sich eine Nachricht wie ein Lauffeuer im Netz: Die DENIC hat die deutsche Domain von Wikileaks “gesperrt”. Wikileaks hat zu dem Vorgang gestern abend auch gleich noch eine Pressemitteilung herausgegeben, in der es wörtlich heißt: “Am 9. April 2009 wurde die Wikileaks.de Domain ohne Vorwarnung durch die deutsche Registrierungsstelle DENIC gesperrt. ” Heise hat die Meldung heute unreflektiert übernommen und spricht ebenfalls von “Sperrung”.
Im ersten Moment ist mir natürlich auch die Kinnlade runtergeklappt. Bei näherer Betrachtung des Vorgangs stellt sich jedoch alles ganz anders dar:
Die Domain wikileaks.de wurde keineswegs gesperrt, sondern befindet sich bei der DENIC im Transit. Was das bedeutet, beschreibt die DENIC folgendermaßen:
“Mit TRANSIT bezeichnet die DENIC ein Verfahren, das dafür sorgt, dass ein Domaininhaber seine Domain nicht verliert, wenn diese nicht länger von einem DENIC-Mitglied verwaltet wird.”
Die DENIC sperrt mit dem Transit die Domain also nicht, sie schützt vielmehr den Domaininhaber davor, die Domain zu verlieren.
Was genau ist jetzt aber passiert? Darüber läßt sich nur spekulieren. Eine Domain kann aus den verschiedensten Gründen in den Transit geraten, etwa weil der Provider dem Inhaber gekündigt hat oder weil der Provider gegenüber der DENIC in Zahlungsverzug ist. Auch ein Fehler ist nicht auszuschließen.
Angesichts dieser Faktenlage sehe ich die Reaktion der “Szene”, die das Geschrei von Wikileaks über “Zensur” und “Sperrung” unreflektiert übernimmt, sehr kritisch. Selbst einige Experten schrecken nicht davor zurück, hier von “Domain-Piraterie” und “Zensur” zu sprechen, obwohl sie es eigentlich besser wissen müßten. Warum wird hier nicht einfach abgewartet, bis die Feiertage vorbei sind und sich die Sache aufklärt? Wenn sich der Vorgang wirklich als problematisch im Sinne einer Zensur herausstellen sollte, was ich nicht glaube, kann man sich immer noch echauffieren. Aber die Spekulationen, die derzeit sowohl von Protagonisten der digitalen Bürgerrechtsbewegung wie auch von der einschlägigen Presse – Heise ist hier nicht die einzige Quelle, die sich sehr weit aus dem Fenster lehnt – in die Welt gesetzt werden, werden sich als Bumerang erweisen, wenn sich herausstellen sollte, daß hier niemand gesperrt oder zensiert hat. Der Schaden wird immens sein. Die digitale Bürgerrechtsbewegung wird ein großes Stück Glaubwürdigkeit verlieren. Man kann fast schon dankbar sein, daß der Aufruhr um diesen Vorgang vermutlich einer breiten Öffentlichkeit verborgen bleiben wird, denn sonst wäre der Schaden noch viel größer!
Ich hoffe aber, daß man aus dem Geschehen lernt. Die digitale Bürgerrechtsbewegung und auch die einschlägige Presse müssen bei solchen Vorgängen zukünftig sehr viel genauer hinschauen, denn nicht alles, was anfangs wie ein Problem für die digitalen Bürgerrechte aussieht, ist auch eines!


Sonntag, 12. April 2009 um 22:07
[...] Die Grünen, bzw. Alex Schestag, dagegen haben herausgefunden, dass sich die Domain im ‘Transit’ befindet. Die Sperrung ist also gar keine sondern dient dem Schutz des Domaininhabers an seiner Domain: http://www.schestag.de/2009/04/11/die-sperrung-die-keine-ist/ [...]
Mittwoch, 27. Mai 2009 um 22:24
[...] Die Sperrung, die keine ist… [...]