Wer mich kennt, weiß, daß ich Facebook wegen seines Datenschutzgebarens stark kritisiere und bisher einen Beitritt zu diesem sozialen Netzwerk aus Datenschutzgründen strikt abgelehnt habe. Am Wochenende habe ich mich nach reiflicher Überlegung nun doch entschlossen, einen Facebook-Account anzulegen. Da dies sicherlich den ein oder anderen verwundern wird, möchte ich meine Entscheidung an dieser Stelle kurz erläutern. Es gibt drei wesentliche Gründe für meine Entscheidung:
- Ich möchte das, was ich kritisiere, näher kennenlernen: Bisher habe ich die Strategie verfolgt, Facebook von außen zu beobachten und zu kritisieren. Diese Strategie hatte durchaus Vorteile, weil ich mir meine Unabhängigkeit bewahrt habe und Kritik so glaubwürdiger formulieren konnte. Ich habe bisher vor allem den Umgang Facebooks mit Daten von Nicht-Mitgliedern und öffentliche Statements zum Thema Datenschutz und Privatsphäre kritisiert. Allerdings hatte ich oft das Gefühl, daß mir wesentliche Informationen fehlen. Hinzu kommt mein politisches Engagement im Feld der Netzpolitik. Facebooks Umgang mit Daten hat mittlerweile auch zu nicht unerheblichen politischen Diskussionen geführt, die man besser versteht, wenn man Facebook näher kennt. Daher habe ich mich entschlossen, mir Facebook nun von innen anzuschauen.
- Ich möchte mich an politischen Diskussionen auf Facebook beteiligen: Natürlich möchte ich, da ich nun einen Account habe, Facebook auch nutzen. Als politisch tätiger Mensch muß ich feststellen, daß – trotz aller Datenschutzbedenken auch von grüner Seite – Facebook für politische Diskussionen derart an Bedeutung gewonnen hat, daß ich es nicht mehr ignorieren kann, will ich mich nicht selbst von wesentlichen Diskussionen und Informationen abhängen. Allerdings ist das für mich der unwesentlichste Grund gewesen, meine Meinung zu ändern. Da ich nicht hauptberuflich politisch tätig bin, muß ich nicht alles mitbekommen.
- Facebook gewinnt für mich an wirtschaftlicher Relevanz: Last but not least kann ich mittlerweile auch die Dominanz von Facebook im geschäftlichen Umfeld nicht mehr ignorieren. Insbesondere wenn man, wie ich, im Internet Dienstleistungen anbietet, spielen Vernetzungen über soziale Netzwerke eine immer größere Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg. Facebook als das größte soziale Netzwerk hat hier – bedauerlicherweise – eine Monopolstellung inne, die sich auch in dem problematischen Umgang Facebooks mit Daten widerspiegelt. Ich habe es aus diesen Gründen bisher vorgezogen, auf die wirtschaftlichen Vorteile, die mir Facebook ohne Frage bringen kann, zu verzichten. Aber auch ich muß von Zeit zu Zeit meine Strategien überdenken und neue Wege gehen. Aus wirtschaftlicher Sicht dürfte Facebook für mich zukünftig unverzichtbar sein. Daher habe ich auch in dieser Hinsicht die Notwendigkeit zu einem Strategiewechsel gesehen.
Natürlich bedeutet mein Beitritt bei Facebook nicht, daß ich keine Kritik mehr üben werde. Im Gegenteil. Ich werde zukünftig noch intensiver hinschauen können und sehr genau beobachten, was Facebook mit den wenigen Daten, die ich freigebe, treibt. Sollten mir Probleme bezüglich Datenschutz und Privatsphäre auffallen, werde ich mich an dieser Stelle sicherlich wieder zu Wort melden und dies öffentlich machen.
Trotzdem bleiben für mich viele offene Fragen. Leidet die Glaubwürdigkeit meiner Kritik an Facebook zukünftig an meinem Strategiewechsel? Ist es wirklich richtig, auch aus wirtschaftlichen Gründen einen Monopolisten, der viel Anlaß zur Kritik gibt, nun doch zu unterstützen? Und vom politischen Blickwinkel aus muß man sich natürlich fragen: Brauchen wir nicht dringend gesetzliche Regelungen, um Monopole dieser Art einzuschränken und sicherzustellen, daß diese mit unseren Daten nicht treiben können, was sie wollen? Diese Fragen treiben mich im Zuge meiner Entscheidung natürlich auch um. Was meint ihr?
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Für mich leidet die Glaubwürdigkeit nicht, ich kenn Dich ja besser.
Aber merkwürdig erscheint es schon, wenn Du einerseits vor einem — zudem monopolistischen — Dienst warnst, ihn aber andererseits selbst nutzt, insbesondere, weil Du Dir am Ende doch noch Vorteile davon versprichst. Das ist in meinen Augen schon ein Stück weit inkonsequent.
Aber vermutlich wirst Du mir dann gleich vorhalten, daß ich dann auch kein PayPal-Konto haben dürfte.
Gruß, Frosch
Ja, sicher ist das eine Inkonsequenz, die ich ja auch hinterfrage. Aber ich sehe auch eine Notwendigkeit, die ich nicht mehr ignorieren kann, zugegebenermaßen eben auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Nichtsdestotrotz finde ich es nicht gut, daß es Unternehmen gibt, die durch ihre Monopolstellung solche Notwendigkeiten erzeugen können. Das ist ungesund und muß meiner Meinung nach dringend reguliert werden.
Ich weiß nicht, inwiefern Facebook eine Monopolstellung hat – es gibt ja genügend andere Netzwerke, die man alternativ nutzen kann und die auch genutzt werden. Ich denke da an myspace, lokalisten, studiVZ… Und viele Leute sind ja auch nicht nur bei einem Netzwerk angemeldet. Das Datenschutzproblem besteht überall und ich hinterlege prinzipiell nur Informationen, die theoretisch jeder sehen dürfte, auch wenn ich diese aufgrund meiner Profileinstellungen nur den Personen in meinen Kontaktlisten zugänglich mache. Es stellt sich doch eher die Frage, warum manche Netzwerke mehr Zulauf haben als andere und für mich persönlich kann ich das nur damit beantworten, dass ich nur Angebote nutze, die ich in der Nutzung als angenehm empfinde und wo eine gewisse Anzahl meiner Freunde/Bekannte aktiv ist.
Falls Facebook tatsächlich die meisten Nutzer hat, dann würde ich das eher als Marktführung und nicht als Monopolstellung sehen und daran kann ich prinzipiell nichts Verwerfliches finden – irgendetwas hat man dann richtig gemacht und die Leute werden ja nicht gezwungen, sich dort anzumelden. Wie gesagt, Alternativen gibt es genug. Über die mangelnde Datensicherheit wird ebenfalls seit geraumer Zeit regelmäßig berichtet. Die einzige berechtigte Regulierung wären m.E. Datensicherheitsvorschriften, deren Umsetzung nachgewiesen sein muss, bevor ein Anbieter seine Plattform auch deutschen Nutzern zur Verfügung stellen darf. Darüber hinaus darf man aber auch nicht vergessen, dass Datensicherheit Geld kostet und die Nutzung der Portale für die Anwender kostenlos ist.
Das mit zunehmender Nutzung von virtuellen Netzwerken auch eine gewisse wirtschaftliche Notwendigkeit für Dienstleister entsteht, dort ebenfalls aktiv zu sein, ist nun mal der Lauf der Dinge. Von daher finde ich es sogar eher konsequent, dass Du Dich dort auch angemeldet hast – schließlich lebst Du von Deinen Dienstleistungen. Und als Anbieter muss man nun mal dorthin gehen, wo die Nachfrage ist bzw. sein könnte.
Ob das nun eine Marktführerschaft oder eine Monopolstellung ist, darüber kann man sicher streiten. Ich halte es immer noch für eine Monopolstellung, weil es faktisch Leute gibt, für die es mittlerweile zwingend notwendig ist, sich bei Facebook anzumelden, weil die Vernetzungsmöglichkeiten z. B. für den wirtschaftlichen Erfolg entscheidend sind. Das ist nicht nur “der Lauf der Dinge”, wie du sagst. Das ist ein tatsächlich gegebener Zwang, eine Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Und das ist per definitionem eine Monopolstellung, die es kritisch zu betrachten gilt.
Das Argument, daß Datenschutz Geld kostet, kann ich allerdings nun wahrlich nicht gelten lassen. Die Gesetze bestehen nun mal, und Facebook ist zu deren Einhaltung verpflichtet. Und das sind nicht irgendwelche Gesetze, die nicht so wichtig sind. Hier geht es um die Privatsphäre von Menschen. Ein Vorfall in Google Buzz, durch den aufgrund mangelnder Datenschutzvorkehrungen seitens des Anbieters der geheime Aufenthaltsort einer Frau ohne ihr Zutun plötzlich ihrem gewaltättigen Ex-Mann offengelegt wurde, zeigt eindrücklich, wie wichtig Datenschutz ist. Wenn das im Budget eines Geschäftsmodells nicht drin ist, ist das Geschäftsmodell kaputt. Genauso könnte ein Fabrikbetreiber sagen: “Der Schutz meiner Arbeiter an ihrem Arbeitsplatz vor Lärm, giftigen Dämpfen usw. kostet Geld. Das will ich nicht investieren, also verzichte ich drauf.”. Die Firma wäre schneller dicht, als er gucken könnte. Und sowas bräuchten wir auch beim Datenschutz.
Dass die Datenschutzgesetze wichtig sind, bestreite ich gar nicht. Und ich stimme Dir auch prinzipiell zu, was das Geschäftsmodell angeht. Wenn ein Unternehmen sich nicht aus Werbeeinnahmen finanzieren kann, dann sollte es Mitgliedsgebühren von den Nutzern erheben oder diese zumindest explizit darauf hinweisen, dass der Schutz der Daten nicht gewährleistet werden kann.
Ich weiß allerdings nicht genau, wie das mit der Rechtsgrundlage ist… Facebook ist m.W. ein amerikanisches Unternehmen und dort gelten andere Datenschutzbestimmungen als hier in Deutschland. Ich weiß nicht, ob es einen deutschen Firmensitz gibt, der für die Einhaltung der deutschen Bestimmungen Sorge tragen müßte?
Ein Hinweis, daß der Schutz der Daten nicht gewährleistet werden kann, reicht nicht.
Facebook ist zwar ein amerikanisches Unternehmen und hat noch keine offizielle Niederlassung in Deutschland. Aber es gibt eine offizielle Niederlassung in Europa. Dadurch ist automatisch eine EG-Richtlinie wirksam, die besagt, daß von Firmen gar keine Daten von EU-Bürgern in Länder übertragen werden dürfen, die kein Datenschutzrecht haben, das europäischen Standards genügt, wozu auch die USA gehört. Um amerikanischen Firmen zu ermöglichen, trotzdem Dienstleistungen in Europa anzubieten, gibt es das Safe-Harbor-Abkommen. Das müssen US-Unternehmen, die in Europa tätig werden und Daten von EU-Bürgern auf Servern in den USA speichern wollen, unterschreiben. Es besagt, daß für diese Unternehmen gegenüber EU-Bürgern die Safe Harbor Principles, die mit europäischen Datenschutzrichtlinien mithalten können, einzuhalten sind. Facebook muß sich zwar derzeit also nicht an deutsches, aber eben an diese Principles halten. Man darf sich dort also nicht rein auf amerikanisches Recht berufen.
Danke für die Info! Aber dann müßte es doch auch rechtliche Möglichkeiten geben, da einzuschreiten, wenn diese Bestimmungen nicht eingehalten werden?
Welche Möglichkeiten es da gibt, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber der Druck auf Facebook nimmt definitiv zu, und sie bewegen sich.