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Es ist ja schon länger so, dass die Grünen die einzige im Bundestag vertretene Partei ist, die Mitglieder gewinnt. Jetzt haben sie 60.000 und damit mehr Mitglieder als die FDP. Das verkünden sie heute stolz und wollen „noch viel mehr“ werden.

Ich sehe dieses Wachstum und vor allem das Streben nach weiterem Wachstum der Grünen kritisch. Oftmals wird von grüner Seite argumentiert, dass der Grund für das Wachstum sei, dass grüne Ideen „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen seien. Sicherlich stimmt das zum Teil.

Aber es glaubt doch hoffentlich niemand ernsthaft, dass nicht auch der umgekehrte Prozess stattfindet, nämlich dass der Erfolg auch Menschen in die Partei bringt, die Ideen und auch Interessen mitbringen, die die Grünen verändert haben und weiter verändern werden – und das manchmal nicht zu ihrem Vorteil. Zwar hat die Partei sich auf dem Papier im Wesentlichen ihre Werte bewahrt. Doch in der Praxis sieht es anders aus. Der Anspruch, in der „Mitte der Gesellschaft“ anzukommen und mehr Menschen anzusprechen, hat meiner Wahrnehmung nach dazu geführt, dass wesentliche Prinzipien zwar noch auf dem Papier stehen, aber vieles praktisch nicht mehr umgesetzt wird. Von „Inhalte vor Macht“ beispielsweise ist nicht mehr viel zu merken. In der Regierung wird manches gemacht, was man in der Opposition noch ablehnt. Ein Beispiel dafür sind die Landesregierungen mit grüner Beteiligung, die trotz scheinbarer Ablehnung durch die Gesamtpartei 2010 dem Jugendmedienschutzstaatsvertrag zugestimmt haben. Beschlüsse der Basis werden trotz eines klaren Bekenntnisses zur Basisdemokratie übergangen, wie die Diskussion um ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen in Baden-Württemberg zeigt.

Die Grünen sollten daher sehen, dass sie nicht weiter unkontrolliert wachsen. Denn sonst steht am Ende des Wachstums eine völlig andere Partei. Für mich war der Wandel schon stark genug, um auszutreten, und ich bin nicht der einzige, dem es so erging. Dieselbe wachstumskritische Haltung, die die Grünen bei der Wirtschaft an den Tag legen, sollten sie auch bei sich selbst zeigen.

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