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Nahezu jede Partei sagt mittlerweile von sich, auch liberale Werte zu vertreten. Aber was bedeutet es, liberal zu sein? Was ist Freiheit? Mir fallen spontan mindestens vier Definitionen von Freiheit ein, die im politischen Kontext eine Rolle spielen. Ich halte mich bei deren nachfolgender Nennung wohlgemerkt nicht an politikwissenschaftliche Theorien – etwa zum Neoliberalismus – sondern an die im Alltag gebräuchlichen Bedeutungen der verschiedenen Freiheitsbegriffe.

Da wäre einmal liberal im Sinne von wirtschaftsliberal. Dabei bezieht sich die liberale Haltung vor allem auf die Wirtschaftspolitik. Im selben Atemzug wird heutzutage häufig der Begriff „neoliberal“ in einer populären Bedeutung genannt, die oft sehr negativ besetzt ist, weil damit eine liberale Haltung zur Wirtschaftspolitik auf Kosten des Sozialen und der Menschen gemeint ist.

Die zweite, recht verbreitete Definition von liberal ist die Freiheit im bürgerrechtlichen Sinne. Dabei geht es darum, dass Menschen möglichst frei von Überwachung leben können und ihre Privatsphäre geschützt ist. In diesem Bereich sind viele aktuelle netzpolitische und bürgerrechtliche Debatten um Überwachung und Datenschutz angesiedelt. Auch die Frage nach der Gewichtung von Freiheit und Sicherheit in der Gesellschaft ist hier von zentraler Bedeutung.

Eine nicht unerhebliche Rolle spielt aber auch das Recht, so zu leben, wie man es selbst für richtig hält, und sich frei zu entfalten. Hier geht es vor allem darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Lebensweise frei und vor allem frei von Diskriminierung in der Gesellschaft zu entfalten.

Last but not least spielt die Freiheit auch in der Sozialpolitik eine Rolle, etwa wenn es darum geht, Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen oder wenn die Frage diskutiert wird, wieviel Geld Hartz-IV-Empfänger über den Rahmen der reinen Existenzsicherung zum Zwecke der freien Entfaltung zur Verfügung haben sollten. Hier spielen also auch finanzielle Aspekte eine Rolle. In diesem Rahmen gibt es zudem eine in dieser Breite noch recht junge Debatte, die sich darum dreht, allen Menschen beispielsweise durch ein bedingungsloses Grundeinkommen auch die finanziellen Möglichkeiten an die Hand zu geben, sich frei zu entfalten.

Ich möchte an dieser Stelle nun nicht diskutieren, wie ich diese vier Freiheitsbegriffe werte und gewichte. Nein, ihr seid gefragt! Mich interessiert: Welche der genannten Definitionen von Freiheit haltet ihr für am wichtigsten für unsere Gesellschaft und welche für nicht wichtig oder gar problematisch? Fallen euch noch weitere Definitionen von Freiheit ein, die ich vergessen habe und die wir in der Gesellschaft unbedingt diskutieren sollten?

Nachtrag: Vielleicht sollte man eine weitere Form der Freiheit erwähnen, die erst mal nicht von äußeren Faktoren abhängig ist, die innere Freiheit. Sich von vorgefertigten Denkmustern freizumachen und sich die Freiheit zu nehmen, selbständig zu denken, kann im Prinzip jeder Mensch. Und das ist vielleicht sogar die Grundvoraussetzung für fast alle genannten Formen der Freiheit – mit Ausnahme des Wirtschaftsliberalismus. Aber diese Form der Freiheit ist offenbar angesichts gesellschaftlichen und politischen Drucks auch nicht unbedingt einfacher zu erlangen. Menschen, die es nicht gewohnt sind, selbstbestimmt oder ohne Überwachung zu leben, kommen oft erst gar nicht auf den Gedanken, dass das möglich sein könnte. Dennoch gilt nach wie vor das Motto eines alten Volkslieds: „Die Gedanken sind frei“. Wir sollten das in einer Zeit medialer und politischer Meinungsmache unbedingt wieder mehr beherzigen.

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2 Kommentare auf “Was bedeutet Freiheit?”

  1. Ich würde die Auflistung nicht als Definitionen oder Begriffe bezeichnen, sondern eher als Auslegungen oder Formen von Freiheit. Denn tatsächlich ist in jeder Form Freiheit drin, aber nicht immer für alle gleichermaßen viel und teilweise für andere einschränkend.

    Während Wirtschafts-/Neoliberalität auf eine gesellschaftliche Gruppen zielt, bei der klar ist, daß sie diese Freiheit vor allem auf Kosten der Gesellschaft bzw. einer Mehrheit erhält, zielt die bürgerrechtliche Freiheit darauf, eben dieser Gesellschaft bzw. Mehrheit Entfaltungs- und Bewegungsfreiheiten zu geben: Freiheit von Überwachung, Freiheit von Existenzsorgen, Freiheit der persönlichen Entfaltung, Freiheit von Diskriminierung.

    Insofern halte ich die Auslegung von Freiheit im Sinne der Wirtschafts-/Neoliberalität für einen MIßbrauch des Freiheitsbegriffs, denn die Freiheit des einen muß da enden, wo die des anderen beginnt. Gesteht man „der Wirtschaft(tm)*“ größere Freiheiten zu, so zahlen üblicherweise alle anderen den Preis dafür, während nur Wenige die Gewinne daraus einstreichen. Gesteht man jedoch der Gesellschaftsmehrheit die oben genannten Freiheiten zu, so nützt das allen (letztendlich auch der Wirtschaft!), denn persönliche Freiheiten bedeuten auch mehr Kreativität und mehr sinnvolle, selbstbestimmte Tätigkeiten. Das wäre letztlich ein Gewinn für alle.

    * Meist sind es ja doch größere bis große Firmen und Konzerne, die davon profitieren, nicht die Einzelunternehmer, Kleinfirmen und nur selten die mittelständischen Unternehmen.

    Ohne ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) wird die Freiheit des Einzelnen aber nur in Geld gemessen. Genauer: In seiner Fähigkeit, an Geld heranzukommen – durch Arbeit, Spekulation, Erbschaft oder wie auch immer. Wer kein Geld hat, hat keine Freiheiten. Das läuft m. E. dem Freiheitsbegriff, wie er im Grundgesetz definiert wird, diametral zuwider.

    Meint
    Frosch

  2. Alex Schestag sagt:

    Ja, Formen trifft es besser, das stimmt. Dem Rest ist nichts mehr hinzuzufügen. 😉

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