Feed auf
Postings
Kommentare

Nobelpreise gelten als eine der höchsten Auszeichnungen schlechthin. Neben Preisen für besondere Leistungen in wissenschaftlichen Disziplinen gibt es einen Friedensnobelpreis und einen alternativen Nobelpreis sowie einen Literaturnobelpreis.

Was aber passiert, wenn sich hinterher herausstellt, dass sich der Preisträger des Preises doch nicht als würdig erweist? Ich frage das aus aktuellem Anlass, denn der Friedensnobelpreisträger Lech Walesa fällt dieser Tage mit massiv homophoben Äußerungen auf. Walesa äußert unter anderem zum Demonstrationsrecht für Homosexuelle, indem er sagt „Ich will nicht, dass diese Minderheit, mit der ich nicht einverstanden bin, auf die Straßen geht und meine Kinder und Enkel verwirrt“ und verlangt, dass homosexuelle Abgeordnete im polnischen Parlament in den hinteren Reihen oder noch „besser“ hinter Mauern sitzen sollen.

Ich sage es ganz offen: Jemand, der sich derart äußert, ist eines Friedensnobelpreises in keinster Weise würdig, egal, was er zuvor geleistet hat. Von einem Menschen, der eine der höchsten Preise, wenn nicht sogar die höchste Auszeichnung für den Frieden erhalten hat, kann man erwarten, dass er sich nicht in solcher Weise diskriminierend gegenüber Menschen äußert und ihre Grundrechte wie das Demonstrationsrecht beschneiden will. Solche Äußerungen sind das Gegenteil von friedensstiftend. Walesa hat sich mit diesen Äußerungen in Sachen Homophobie auf eine Stufe mit Putin und seiner Regierung gestellt, der mit Sicherheit niemand einen Friedensnobelpreis verleihen würde! Daher wäre in diesem Fall eine Aberkennung des Friedensnobelpreises wegen seiner homophoben Äußerungen zumindest anzudenken. Aber geht das überhaupt?

Die Antwort ist leider: nein. Das Nobelpreis-Kommitee schreibt in seiner FAQ:

„Is it possible to revoke a Nobel Prize?
No, it is not possible according to the statutes of the Nobel Foundation, § 10.“

Die Statuten besagen in § 10:

㤠10.
No appeals may be made against the decision of a prize-awarding body with regard to the award of a prize.

Proposals received for the award of a prize, and investigations and opinions concerning the award of a prize, may not be divulged. Should divergent opinions have been expressed in connection with the decision of a prize-awarding body concerning the award of a prize, this may not be included in the record or otherwise divulged.

A prize-awarding body may, however, after due consideration in each individual case, permit access to material which formed the basis for the evaluation and decision concerning a prize, for purposes of research in intellectual history. Such permission may not, however, be granted until at least 50 years have elapsed after the date on which the decision in question was made.“

Kurz gesagt: Gegen eine Preisvergabe kann kein Widerspruch eingelegt werden, und ein Nobelpreis kann auch nicht wieder aberkannt werden.

Das hat meines Erachtens gravierende Folgen, und zwar nicht nur für Friedensnobelpreise. Man stelle sich vor, eine wissenschaftliche Arbeit, für die der Nobelpreis vergeben wurde, erweist sich als gefälscht, die Daten als manipuliert. Vielleicht handelt es sich sogar um eine Manipulation, die Menschenleben gefährdet, weil sie ein medizinisches Verfahren als wirksam ausweist, das gar nicht wirksam ist. Ich weiß nun nicht, ob es einen derartigen Fall schon mal gab. Aber es darf doch nicht sein, dass jemand in so einem Fall eine der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen einfach behalten darf, inklusive des Preisgeldes. Gleiches gilt natürlich bei einem Literaturnobelpreis, bei dem sich hinterher herausstellt, dass das ausgezeichnete Werk ein Plagiat ist.

Was heißt das nun für die Ausgangsfrage, was Nobelpreise wert sind? Ich bin der Ansicht, dass das Nobelpreis-Kommitee an diesem Punkt seine Statuten ändern und Nobelpreise auch wieder aberkennen können muss, insofern sich der Träger im Nachhinein des Preises als unwürdig erwiesen hat. Die Person darf nicht endgültig als Träger einer der höchsten Auszeichnungen der Welt in die Geschichte eingehen. Im Falle des homophoben Lech Walesas mag es dazu andere Meinungen als die meine geben. Aber wenn Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse manipulieren, ist der Fall eindeutig. Sonst sind Nobelpreise nichts mehr wert und sollten nicht mehr die öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, die sie bisher bekommen haben.

Flattr this!

Kommentar abgeben