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Heute wurde ich auf einen Beitrag des „ARD Morgenmagazins“ auf dessen Facebook-Seite aufmerksam, bei dem es mir dann doch die Sprache verschlug. Was war passiert?

Das ARD Morgenmagazin teilte auf seiner Facebook-Seite ein Bild eines Schauspielers, das folgenden Text enthielt:

„Facebook spielt mal wieder mit seinen AGBs. Wenn Euch Eure Daten lieb sind, sollte Ihr das auch posten. Es reicht, wenn Ihr es gepostet habt, dann ist es bei Facebook registriert, weil Euer Verlauf bei Facebook gespeichert wird!
Aufgrund der neuen AGB’s in Facebook widerspreche ich hiermit der kommerziellen Nutzung meiner persönlichen Daten (Texte, Fotos, persönliche Bilder, persönliche Daten u.ä.) gemäß BDSG.
Das Copyright meiner Profilbilder sowie aller anderen Bilder liegt ausschließlich bei mir bzw. bei dem Fotografen mit dem ich einen Nutzungsvertrag geschlossen habe. Die kommerzielle Nutzung bedarf meiner schriftlichen Zustimmung.“

Hier noch einmal der Beitrag als Screenshot:

momahoax

Abgesehen von den zahlreichen grammatikalischen, Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehlern ist auch der Inhalt dieses Postings totaler Quatsch, was auch schon lange bekannt ist. Erstens gab es keine AGB-Änderungen bei Facebook, die einen solchen Widerspruch begründen. Der Widerspruch ist in dieser Form zudem rechtlich unwirksam. Zwar kann man in der Tat einen solchen Widerspruch wirksam einlegen, muss diesen dann aber direkt und schriftlich an Facebook senden. Ein Facebook-Posting über das private Profil reicht nicht aus. Leider wurden auch im Zuge der Aufklärung dieses Hoaxes unsinnige Dinge behauptet. Einige Juristen haben aber in ihren Blogs den korrekten Sachverhalt schon vor Monaten sehr schön dargelegt.

Ihr fragt euch jetzt wahrscheinlich, warum ich den Beitrag auf der Facebook-Seite des Morgenmagazins nicht direkt verlinkt habe. Das hätte ich natürlich anstelle eines Screenshots lieber getan, um den Vorgang einwandfrei zu belegen. Leider hat das Morgenmagazin den Beitrag kommentarlos gelöscht. Aber es gibt dafür mehrere Zeugen, die die Existenz des Beitrags sicher gern bestätigen.

Der eigentliche Fehler ist natürlich schon wesentlich früher zu suchen, nämlich zu dem Zeitpunkt, da der Status eines Prominenten ohne weitere Recherche geteilt wurde. Von einem Medium des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann man meines Erachtens erwarten, dass zumindest eine kurze Recherche zu der Aussage, die man verbreiten möchte, durchgeführt wird. In diesem Falle hätte es gereicht, zwei Minuten in eine Google-Recherche zu investieren, um festzustellen, dass es sich bei der Aussage um einen Hoax handelt.

Schlimmer ist meiner Meinung jedoch, dass die ARD den Fehler unter den Teppich gekehrt hat, indem der Beitrag kommentarlos gelöscht wurde. Das Verhalten in diesem Fall lässt damit endgültig jegliche journalistische Sorgfalt vermissen. Dass die ARD den Beitrag, der zu dem Zeitpunkt bereits zahlreich geteilt worden war, klammheimlich inklusive aller Kommentare löscht, anstatt den Fehler zumindest durch Aufklärung wieder gut zu machen, sehe ich als journalistischen Offenbarungseid an. Von einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, die meiner Ansicht nach eine hohe Verantwortung bei der Verbreitung von Informationen trägt, erwarte ich, dass sie Falschinformationen, die sie auf einer stark frequentierten Facebook-Seite verbreitet hat, auch richtigstellt. Ich bin der Meinung, dass man nun ernsthaft die Frage stellen kann, ob man den Sender noch als zuverlässige Nachrichtenquelle ansehen kann, wenn derart unprofessionell mit selbstverschuldeten Falschmeldungen umgegangen wird. Qualitätsjournalismus sieht jedenfalls anders aus. In dem Fall mögen die Folgen harmlos sein, aber es gibt insbesondere auf Facebook Hoaxes, die nicht so harmlos sind. Wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender einen solchen Hoax unreflektiert verbreiten würde, wäre das fatal.

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