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Derzeit sorgt eine wahrscheinlich gefakete eBay-Auktion im Netz für Aufsehen, bei der ein Platz im NSU-Prozess vor dem OLG München mit den Worten „versteigert“ wird

„Sie steigern auf meinen Sitzplatz bei dem Prozess gegen NSU / Beate Zschäpe, für den gesamten Prozess.
ACHTUNG: NUR FÜR DEUTSCHE! TÜRKEN ZWECKLOS!! Bieten Sie nicht, wenn Sie Türke sind!!!“

Diese „Auktion“ soll nach Aussage derer, die sie verbreiten und die sogar darauf bieten, der Versuch sein, mittels Satire Kritik an der Vergabe der Journalistenplätze für diesen Prozess zu üben, bei der türkische Medien leer ausgingen.

Ich finde diese sogenannte „Satire“ völlig misslungen und unendlich geschmacklos. Wir haben mit den NSU-Morden die größte Terrorwelle seit der RAF in Deutschland sowie ein beispielloses Versagen aller Ermittlungsbehörden erlebt, das sogar in Beschuldigungen gegen die Opfer selbst gipfelte. Das Versagen des OLG München bei der Vergabe der Journalistenplätze ist nur ein weiterer trauriger Höhepunkt. Ich frage mich ernsthaft, ob angesichts des immensen Schadens, den allein diese Entscheidung bereits jetzt angerichtet hat, Satire der richtige Ansatz ist, damit umzugehen. Und ich komme für mich zu dem Schluss, dass dem nicht so ist, sondern Satire in diesem Fall den Schaden noch vergrößert. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein einziger Angehöriger der 10 Opfer des NSU-Terrors diese eBay-„Auktion“ witzig findet.

Ich kann mich aber auch generell des Eindrucks nicht erwehren, dass im Netz viele der Meinung sind, wenn es darum geht, Sachverhalte ins Lächerliche zu ziehen oder (vermeintlich) satirisch aufzubereiten, gelte ein „Anything goes“. Alles ist möglich, alles ist erlaubt, solange es nur den Zweck erfüllt, Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Auch das sehe ich generell anders. Denn, wie schon angedeutet, kann auch Satire verletzen – und zwar die, die sie gerade nicht verletzen soll, nämlich die Opfer oder Leidtragenden eines Sachverhalts, der satirisch aufs Korn genommen werden soll.

Daher sollte sich jeder, der sich satirisch mit einem Thema befassen will, zunächst fragen, ob es bei der Angelegenheit Opfer oder Betroffene gibt, die er eigentlich nicht treffen will, die er aber mit seinem Versuch der satirischen Herangehensweise treffen könnte. Dieser notwendige Zwischenschritt unterbleibt meiner Ansicht nach bei satirischen Betrachtungen im Netz zu oft. Etwas mehr Sensibilität täte auch im Netz gut.

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