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Derzeit verbreitet sich eine Story wie ein Lauffeuer im Netz, die auf den ersten Blick wie ein Beleg dafür aussieht, wie häufig Computerspiele illegal kopiert werden – und sich auf den zweiten Blick als etwas völlig anderes entpuppt. Was war passiert?

Zwei Programmierer haben ein Spiel namens Game Dev Tycoon herausgebracht, in dem es darum geht, als Computerspieleentwickler eine kleine Garagenfirma zum Erfolg zu führen. Dieses Spiel haben sie für 7,99 Dollar zum Kauf angeboten. Gleichzeitig haben die Entwickler eine veränderte Version als Torrent von ihren eigenen PCs aus verbreitet, weil sie befürchteten, dass ihr Spiel in kürzester Zeit illegal Verbreitung fände. Diese veränderte Version lässt diejenigen, die sich das Spiel als Torrent gezogen haben, automatisch scheitern, weil im Spiel die Mehrzahl ihrer entwickelten Spiele illegal kopiert wird und sie bankrott gehen.

Nun wurde anscheinend ein Großteil der Kopien des Spiels aus dem Torrent gezogen und nicht gekauft. Die Entwickler beklagen nun auf ihrer Facebookseite: „One day after release over 93% of players have pirated our game“. Auch große Online-Medien wie Chip Online oder Stadt Bremerhaven sprechen nun von einem Demonstrationsobjekt für die Schamlosigkeit von Raubkopierern und von einer traurigen Story. Die Empörung im Netz über die bösen Raubmordkopierer ist groß.

Und jetzt frage ich euch, die ihr euch alle so sehr empört: Merkt eigentlich niemand von euch, dass das alles Unsinn ist?

Denkt doch mal nach: Die 93% aus dem Torrent gezogenen Kopien sind nämlich nicht „pirated“. Es handelt sich auch nicht um ein „Demonstrationsobjekt für die Schamlosigkeit von Raubkopierern“ und auch nicht um eine „traurige Story“. Denn wer hat denn die veränderten Kopien als Torrent angeboten? Richtig, niemand anderes als die Urheber selbst. Somit handelt es sich bei den über den Torrent gezogenen Kopien selbstverständlich nicht um „pirated“ illegale Kopien des Spiels, sondern einfach um eine zweite, von den Urhebern explizit kostenlos über einen Torrent angebotene und etwas veränderte Version des Spiels, die daher völlig legal heruntergeladen werden darf, weil sie ja von den Urhebern selbst angeboten wurde. Und dafür, dass wirklich illegale Kopien des Spiels im Umlauf sind, gibt es überhaupt keinen Beleg. Darüber schweigen sich auch die Entwickler aus – ganz bewusst wohl. Alle Schlussfolgerungen in Bezug auf illegale Downloads sind in diesem Fall somit völlig hinfällig.

Manchmal würde ich mir wünschen, dass etwas mehr nachgedacht würde, ehe im Netz die Empörungsmaschinerie einsetzt. In diesem Fall unterstützt ihr damit nicht Opfer illegalen Filesharings, sondern lediglich eine kluge Marketing-Aktion der Entwickler – auf die ihr voll reingefallen seid. Ohne diese gekünstelte Aufregung hätte das Spiel niemals so viel Publicity und Aufmerksamkeit bekommen. Und ihr habt euch vor den Karren spannen lassen. Das ist der eigentliche Aufreger an der Geschichte, über den man sich empören könnte – und nicht niemals geschehene illegale Kopien.

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36 Kommentare auf “Game Dev Tycoon – viel Aufregung um nichts”

  1. DocHobbit sagt:

    Ich gebe dir recht, das es eine (meiner Ansicht nach erfolgreiche und originelle) Marketing-Aktion der Entwickler ist. Sicher kann man auch rechtlich gesehen nicht von „illegale“ Downloads reden, da wie auch du schreibst, direkt von den Entwicklern bereitgestellt.
    Ich finde es trotzdem erschreckend, dass so viele diese Version geladen haben, denn sicher gingen die meisten davon aus, sich die Vollversion „kostenlos“ zu laden. Das Argument, dass man das Spiel nur testen will greift ja auch nicht, da die Entwickler selbst eine Demoversion auf ihrer Webseite anbieten. Oder findest du es auch ok, einfach die Äpfel in der Außenauslage des Obsthändlers einfach mitzunehmen, da er sie ja auch vielleicht verschenken könnte?
    Das einzige was ich an der Aktion bedenklich finde, ist die Tatsache, dass sich die Entwickler offenbar ungefragt Daten zuschicken haben lassen. Vielleicht haben sie dies aber in den Lizenzbedingungen beim Installieren der „speziellen“ Version mit aufgenommen oder das australische Datenschutzrecht ist einfach nicht so streng wie unseres.

  2. Patrick sagt:

    Ich glaube du hast die „Empörung“ nicht so ganz verstanden. Wenn wir rein von der Rechstlage sprechen, sind diese eventuell nicht illegal (kann man sich darüber streiten, ob diejenigen bei Torrent denn annehmen können, dass die Entwickler diese einfach so gratis zur Verfügung stellen und sie damit nicht Urheberrechte verletzen).

    Aber das ist auch gar nicht der Punkt. Alle waren sich durchaus bewusst eine nicht legale Kopie über Torrent geladen zu haben. Das es eine clevere Marketingstrategie zusätzlich ist, warum nicht? Für die Idee gönne ich es Ihnen und finde daran nichts verwerfliches auf diesen Umstand hinzuweisen. Das hat auch nichts mit reingefallen zu tun, die Hintergründe sind interessant. Über die Argumente kann man gerne streiten, aber etwas wahres dran ist dennoch, alleine deshalb kann man das Problem mal in den Fokus rücken.

  3. Alex Schestag sagt:

    Wieso haben sie sich ungefragt Daten zuschicken lassen? Es war ihr eigener Torrent. Da können sie natürlich sehen, wie oft das Spiel runtergeladen wurde. Zudem sind nackte Downloadzahlen ja nicht personenbezogen und somit datenschutzrechtlich unkritisch. Und wie oft sie es verkauft haben, wissen sie natürlich auch. Ich kann daran nichts datenschutzrechtlich Bedenkliches erkennen.
    Und der Vergleich mit den Äpfeln hinkt. Bei einer Ladenauslage ist klar, dass die Äpfel nicht kostenlos sind. Das ist hier eben nicht klar. Nochmal: Die Urheber haben diese Version selbst angeboten. Diese dann runterzuladen, ist rechtlich völlig einwandfrei. Ob die meisten davon ausgingen, sich die Vollversion kostenlos zu laden, spielt gar keine Rolle, denn kostenlos ist noch nicht illegal. Es gibt viele Lizenzmodelle, bei denen es kostenpflichtige und kostenfreie Versionen parallel gibt. Über tatsächlich illegal zum Download angebotene Versionen ist dagegen gar nichts bekannt. Somit sagt die Aktion gar nichts über eventuelle illegale Downloads aus.
    Die Marketing-Aktion mag originell gewesen sein, allerdings haben einige mittlerweile zur Diskussion gestellt, ob sich die Urheber selbst nicht strafbar gemacht haben, weil sie durch den Upload einer als gecrackt getarnten legalen Version eine Straftat vorgetäuscht und andere zu einer vermeintlichen Straftat angestiftet haben. Damit dürfen sich dann die Juristen in Australien auseinandersetzen.

  4. Alex Schestag sagt:

    Sie sind nicht nur eventuell nicht illegal, sie sind gar nicht illegal. Was die Downloader annehmen können, spielt für diese Bewertung gar keine Rolle. Da spielt einzig und allein eine Rolle, wer die Version hochgeladen und dort zum Download autorisiert hat. Und das waren die Urheber selbst. Das macht sie automatisch völlig legal.

    Und nochmal: Es war gar keine wirklich gecrackte Version im Umlauf, sondern nur eine veränderte legale Version. Daher können die Zahlen immer noch nichts darüber aussagen, wieviele sich das Spiel tatsächlich illegal gezogen hätten, anstatt es zu kaufen. Denn wäre diese legale „illegale“ Version nicht in Umlauf gekommen, hätte es vielleicht gar kein illegales Angebot gegeben, weil das Spiel zu unbekannt ist, und die Statistik wäre viel langweiliger ausgefallen. Aber damit wird man ja nicht bekannt. Das haben alle, die sich jetzt zusammen mit den Urhebern empören, nicht verstanden. Und deswegen ist die Empörung barer Unsinn, weil die alle unzulässigerweise davon ausgehen, dass der Upload einer legalen Version und die daraus folgenden Downloads eine valide Simulation illegaler Downloads seien. Das ist Quatsch. Die, die so argumentieren, fallen dabei auch auf die suggestive Wortwahl der Urheber selbst rein, die sagen, dass ihr Spiel zu 93% „pirated“ wurde. Da sie das aber selbst verursacht haben, ist das Heuchelei und völliger Unfug.

    Die, die sich jetzt über die angeblichen Raubmordkopierer empören, sollten sich vielmehr über die Urheber selbst empören, die sich mit der Aktion wegen Vortäuschung einer Straftat und Anstiftung zu einer vermeintlichen Straftat eventuell sogar selbst strafbar gemacht haben.

  5. Patrick sagt:

    Du hast die Idee dahinter meines Erachtens nicht verstanden. Du versteifst dich sehr gerne auf die Rechtslage. Ob illegal oder legal spielt aber keine Rolle. Du findest im Torrent eine Version eines Spiels, die lediglich gekauft werden kann.

    Wenn derjenige richtig subsummiert wird er die Urheberrechte daran erkennen und wohl annehmen, dass die Entwickler keinerlei Interesse daran haben, diese so zu verbreiten. Es ist dem Downloader allerdings vollkommen egal und er lädt die kostenlose Version, ob sie im Nachhinein auf eine bewusst präparierte Version stießen ist dafür aber nicht relevant. Sicherlich wäre der Fall sonst nicht so publik geworden, alleine für die Idee kann man sie erwähnen, also wo liegt eigentlich dein Problem davon zu berichten 😉

    Es ist nun mal so, dass diese Spiele auch bei einem noch so kleinen Preis illegal bezogen werden, dass kannst du überall beobachten, ein Problem besteht. Ich mag auch nicht darüber diskutieren, warum dies so ist, das würde sicher den Rahmen sprengen. Ich kann deine Aufregung jedenfalls weniger nachvollziehen, nichtmal die Entwickler selbst haben die vermeintlichen Raubkopierer diskreditiert, sondern lediglich mahnend den Zeigefinger gehoben und genau dafür war die Aktion gut.

  6. Mela sagt:

    Rein faktisch war der Torrent natürlich nicht pirated. Aber sie schrieben ja, sie hätten die Torrent-Version direkt ersichtlich als „Cracked Copy“ benannt. Also mussten die Downloadenden davon ausgehen, dass es sich eigentlich um einen illegalen Download handelt. Die wussen ja nicht, dass der Download in Wirklichkeit legal war.
    Gestoppt hat es sie nicht, statt dessen haben sie sich noch an die offiziellen Supportforen gewandt als das Spiel begann Probleme zu machen und das ist ja die Geschichte dahinter.

  7. Alex Schestag sagt:

    Was ich alles nicht verstanden habe. Die Rechtslage ist doch das Einzige was zählt, wenn es um die Frage geht, was hier passiert ist. Entweder ist die Version im Torrent legal, oder sie ist illegal. Hier war sie legal. Somit ist schon deine Grundannahme falsch, dass das Spiel lediglich gekauft werden konnte. Es konnte eine zweite Version im Torrent legal heruntergeladen werden. Das ist Fakt.

    Mein Problem liegt nun darin, dass hier die Simulation eines vermeintlich illegalen Uploads und dessen simulierte Folgen als Realität und echte Piraterie verkauft werden, sowohl von den Urhebern selbst, wie auch von vielen, die empört darüber berichten. Und das ist faktisch nun einmal falsch. Damit wird nicht nur den Downloadern etwas unterstellt, was überhaupt nicht wahr ist, daraus werden auch Schlussfolgerungen gezogen, die methodisch und interpretatorisch extrem fraglich sind. Wenn ich künstlich ein Angebot schaffe, das es so angesichts des nicht vorhandenen Bekanntheitsgrades der Firma wahrscheinlich nie gegeben hätte, und vorgebe, es sei illegal, obwohl es in Wahrheit legal ist, schaffe ich Grundannahmen, die mit der Realität in diesem Fall ziemlich wenig zu tun haben. Um es mal mit den Worten der sozialwissenschaftlichen Methodenlehre zu sagen: Diesem Experiment fehlt jegliche ökologische Validität. Anders ausgedrückt: Wenn sie ihre Simulation so programmiert haben, wie sie diesen Nicht-Vorfall simuliert haben, ist das Spiel mit Sicherheit grottenschlecht.

    Und die Aussage „Es ist nun mal so, dass diese Spiele auch bei einem noch so kleinen Preis illegal bezogen werden, dass kannst du überall beobachten, ein Problem besteht.“ ist so empirisch auch nicht haltbar. Wie gesagt, in diesem Fall ist fraglich, ob es angesichts des quasi nicht vorhandenen Bekanntheitsgrads überhaupt ein echtes illegales Angebot gegeben hätte. Und was das Problem angeht: In allen mir bekannten nicht von der Content-Industrie finanzierten Studien sind die Korrelationen zwischen illegalen Downloads und Umsatzentwicklung nahezu null. Versteh mich nicht falsch, ich will hier nicht illegalen Downloads das Wort reden. Aber künstlich ein vermeintliches Problem schaffen, um bekannt zu werden, und dann zu jammern, ist völlig daneben.

  8. Alex Schestag sagt:

    Eine Geschichte, die so ohne dieses künstlich geschaffene Angebot wohl nie stattgefunden hätte. Nochmal: Ein echtes illegales Angebot dieses Spiels ist nicht bekannt. Daher wurde hier von den Urhebern künstlich etwas geschaffen, und die möglichen Schlussfolgerungen daraus sind extrem begrenzt.

  9. DocHobbit sagt:

    Wenn ich auf einer Torrent-Seite gehe und bei einen Programmeintrag nicht irgendwie hervorgeht, das es Open Source ist, geht ich davon das es sehr wahrscheinlich eine gecrackte, illegale Version ist. Und so denken sicher die meisten, die nur etwas Ahnung vom Internet haben. Zudem steht in laut dem Blog-Eintrag in der Torrent-Beschreibung gleich in der Überschrift „Cracked and Working“. Was braucht es mehr Hinweise. Ok, die vorgetäuschte Straftat kann man diskutieren.

    Zum Thema ungefragt Daten zugesandt: Sie haben nicht nur die Daten vom eigenen Torrent. Auszug aus dem Blog: „We know this because our game contains some code to send anonymous-usage data to our server.“ Noch Fragen?

  10. Patrick sagt:

    Du kennst die internationale Rechtslage so gut, dass du für sie sprechen kannst. Traue ich mir nicht zu, das als Fakt zu beurteilen ist zumindest gewagt. Lasse mich aber gerne eines besseren belehren 😉

    Du willst hier was empirisch als Unsinn abstempeln, legst aber deine ganzen Quellen nicht vor. Es wird immer mehrere Studien geben, wie das miteinander korreliert kann man sicher untersuchen. Aber ich schalte mich hier raus, wir kommen da auf keinen gemeinsamen Nenner und haben da völlig andere Auffassungen. Ich sehe das nicht als wissenschaftlichen Beweis, aber es bestätigt einige Vermutungen, wie sich Menschen bei Software verhalten.

    Aber ich bin hier wie gesagt raus, du hast deinen Standpunkt, ich meinen den wir nur schwer zusammen bringen können 😉

  11. DocHobbit sagt:

    Sicher war es ein künstliche geschaffenes Angebot. Aber vielleicht hätte in ein paar Wochen ein Cracker, der irgendwie auf das Programm gestoßen ist und gefallen daran gefunden hat, eine tatsächlich illegale Kopie hochgeladen. Denkst du das Ergebnis dann recht viel anders ausgefallen, nur weil im Nachhinein die rechtliche Würdigung anderes ist?

  12. Alex Schestag sagt:

    „Ahnung vom Internet“ ist ein großes Wort. Ich bezweifle, dass die meisten, die in Tauschbörsen unterwegs sind, Ahnung vom „Internet“ haben. Wer von denen kann mir TCP/IP erklären? Wer DNS? Wer das Schichtenmodell? Mal ganz ehrlich: Wer ein bisschen saugt, hat deswegen noch lange keine Ahnung vom „Internet“. 😉

    Wie gesagt, ich bestreite gar nicht, dass die Downloader davon ausgehen mussten, dass es sich um eine illegale Kopie handelt. Aber das spielt keine Rolle, weil es keine war. Den Vorgang an sich kann man auch damit vergleichen, dass die Bundesregierung eine Terrorgruppe schafft, indem sie Leute vermeintlich für terroristische Akte zum Schein anheuert und die dann mit Hilfe der Vorratsdatenspeicherung auffliegen lässt, um die Wirksamkeit der Vorratsdatenspeicherung zu belegen. Was meinst du, was dann für ein Aufschrei durch die Netzgemeinde ginge? Aber an sich nichts anderes ist hier passiert.

    Und ja, ich habe Fragen. Was ist an anonymen, also nicht personenbezogenen Nutzungsdaten problematisch? Die dürfen ohne Zustimmung erhoben werden. Weltweit. Auch bei uns.

  13. Alex Schestag sagt:

    Du willst Quellen? Gern. Es gibt einige ältere Studien aus Kanada usw., die spare ich mir jetzt, aber auch eine ganz neue hochoffizielle von der EU: http://ftp.jrc.es/EURdoc/JRC79605.pdf. Das ist zwar für Musik, aber sicherlich auch auf Software übertragbar. Die Studie zeigt einen Effekt, der bei der ganzen Diskussion bisher auch vergessen wird: Gäbe es die illegalen Angebote nicht, würden die digitalen Produkte auch nicht häufiger legal gekauft. Allein das zerlegt die komplette Argumentation der Programmierer des Spiels. Sie würden ohne illegale Downloadmöglichkeiten nach diesen Befunden nicht signifikant mehr Umsatz machen.

  14. Alex Schestag sagt:

    Vielleicht hätten viele der Sauger dann aber auch einen solchen Gefallen an dem Spiel gefunden, dass sie es nachträglich gekauft hätten. 😉 Über nicht geschehene Vorgänge kann auch ich spekulieren. 🙂

  15. DocHobbit sagt:

    Angeblich haben Jugendliche, die Kaugummi geklaut haben, diese so gut geschmeckt, das sie ein paar Tage später diese auch gekauft haben. 😉

  16. Alex Schestag sagt:

    Bei digitalen Gütern gibt es diesen Effekt. Er ist durch Studien belegt.

  17. DocHobbit sagt:

    Aber unabhängig von dieser „Aktion“: Nur weil es eine positive Auswirkung haben kann, sind deshalb Rechtsverstöße in Ordnung?

  18. Alex Schestag sagt:

    Nein. Das wollte ich weder mit dem Artikel, noch mit meinen Kommentaren gesagt haben. Insbesondere bei kleinen Labels und Firmen, die oft noch fair zu ihren Kunden sind und wirklich auch auf sie eingehen, sollte man auch so fair sein, sie für ihre Arbeit zu entlohnen. Das ist für mich nicht nur eine juristische Frage.

  19. Thalon sagt:

    Sie hätte für dieses Spiel nicht stattgefunden. Bei anderen Produkten ist der Crack schon am ersten Tag (oder davor) verfügbar, hier können die tatsächlichen Zahlen meist nur geschätzt werden (bewegen sich idR aber auch um die 90%). Von daher wurde nur experimentell nachgewiesen was anderswo als Vermutung/Schätzung an Zahlen aufliegt.

    Klar mag es eine Marketing-Strategie sein, was aber an der Aussage nichts ändert: Wenn es zum Spiel am ersten Tag einen nichtoffiziellen Crack gegeben hätte wären über 90% der Downloads dort zu verzeichnen gewesen.
    Ob auch nur einer davon das Spiel gekauft hätte ist nicht zu sagen. Die Vermutungen liegen oft um die 10-20%, ich gehe eher von 1-3% aus. Dennoch zeigt es dass diese 90% eine Leistung konsumieren die sie nicht bezahlt haben obwohl sicherlich 90% davon bewusst ist, dass sie es eigentlich müssten.

    Thalon

  20. Alex Schestag sagt:

    Nein, das wurde nicht experimentell nachgewiesen. Dieses Experiment hat keinerlei externe und keinerlei ökologische Validität. Es hat keinerlei ökologische Validität, weil für dieses Spiel eben ohne diese gestellte Situation mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit überhaupt kein illegaler Download vorhanden gewesen wäre. Daher ist hier ein Rückschluss auf das, was ohne die gestellte Situation passiert wäre, nicht möglich. Und es hat keine externe Validität, weil die Zulässigkeit einer Verallgemeinerung der Downloadraten auf andere Fälle etwa von Spielen bekannter Marken erst einmal zu belegen wäre.

    Man sollte schon dafür sorgen, dass ein Feldexperiment auch Rückschlüsse auf die Realität zulässt. Das ist hier schlicht nicht gegeben. Es wurde also schlicht nichts nachgewiesen.

  21. Thalon sagt:

    Ich habe auch nicht behauptet, dass die selbe Situation ohne die bewusste Aktion der Entwickler gleich gewesen wäre.
    Was ich behaupte ist, dass sie gleich gewesen wäre, WENN es eine echte illegale Version zur selben Zeit gegeben hätte.

    Dazu reicht grundsätzlich ein einzelner entsprechend versierter Cracker, und ich glaube dass das Ergebnis im Wesentlichen nicht anders ausgesehen hätte wenn eine zeitliche Differenz von wenigen Stunden da gewesen wäre.
    Die Bekanntheit des Studios senkt nur die Wahrscheinlichkeit für eine echte illegale Version, was bei einem DRM-freien Spiel JEDER machen kann der den Download eines Torrents zustande bringt.

    Thalon

  22. Alex Schestag sagt:

    Warum ist dann bisher noch kein echter Crack in den Torrents aufgetaucht? Das ist doch alles Spekulation. Passiert ist faktisch nur eins: Die Urheber haben aus Marketing-Zwecken ein zweites, legales Angebot über einen Torrent angeboten, das sie als Crack getarnt haben, um hinterher das angeblich ach so schlimme Ergebnis zu vermarkten. Und etliche Blogger sind, ohne das Hirn einzuschalten, auf den Zug aufgesprungen und sind der angeblich ach so armen Firma, deren Produkt angeblich ach so oft raubmordkopiert wurde, beigestanden – und haben ihr damit vermutlich durch die Unterstützung dieses miesen Tricks mehr Publicity verschafft, als sie ohne die Aktion jemals bekommen hätte.

  23. Thalon sagt:

    Wieso sollte man ein DRM-freies Spiel auch extra noch einmal hochladen, wenn es schon eine andere funktionierende Quelle gibt? Das Spiel illegal zu veröffentlichen schafft JEDER der es auch herunterladen kann. Von daher würde ich nicht sagen, dass es kein gleiches echtes Angebot gegeben hätte.
    Ein echter Crack hätte bei diesem medialen Interesse am konkreten Fall einen ganz anderen Impakt. Hätte es vorher ein User vielleicht „einfach so“ gemacht, muss er es sich jetzt recht genau überlegen, da die darauf blickenden Augenzahl wesentlich höher ist.
    Darum bringt auch spekulieren wenig, da nicht nachprüfbar.

    Meine Aussage aber bleibt: Bei einem gleichartigen illegalen Angebot wäre das Ergebnis gleich gewesen, und daraus lässt sich schon einiges aus der Mentalität der jeweiligen Downloader ablesen.

    Thalon

  24. Alex Schestag sagt:

    Es gibt keine andere funktionierende Quelle. Das legal illegal von der Firma hochgeladene Spiel ist mit einem absichtlichen Bug versehen.

    Meine Aussage aber bleibt: Bei einem gleichartigen illegalen Angebot wäre das Ergebnis gleich gewesen, und daraus lässt sich schon einiges aus der Mentalität der jeweiligen Downloader ablesen.

    Diese Aussage ist zu belegen. Mit echten Zahlen, nicht mit manipulierten wie hier. Man kann natürlich die These aufstellen. Aber dann muss man sie auch belegen können. Vorher sind Schlussfolgerungen über Mentalitäten unzulässig. Zumindest meine Diplomanden wären bei dieser Vorgehensweise in ihren empirischen Diplomarbeiten durchgefallen. 😉

  25. Thalon sagt:

    Freilich gibt es eine andere funktionierende Quelle. Jede gekaufte Version ist da DRM-frei direkt weiter veröffentlichbar.

    Was ist daran zu belegen? Wenn User X exakt zum selben Zeitpunkt das selbe (selber Text usw.) eingestellt hätte wäre für den Enduser kein Unterschied bemerkbar gewesen. Da auch so nicht bemerkbar war, dass es eigentlich offiziell ist, ist nicht von einem unterschiedlichen Verhalten auszugehen.

  26. Thalon sagt:

    Sorry war abgelenkt. Kleine Ergänzung: Dass die vorhandene Torrentquelle nicht funktioniert war zu Beginn nicht absehbar. Eine echte funktionierende Version war aber jederzeit verfügbar. Jetzt bei diesem medialen Aufgebot eine echte Kopie zur Verfügung zu stellen bei etwa 200 gekauften Kopien deren Besitzer namentlich bekannt sind ist wohl etwas gar gefährlich.

  27. Alex Schestag sagt:

    Was ist daran zu belegen? Wenn User X exakt zum selben Zeitpunkt das selbe (selber Text usw.) eingestellt hätte wäre für den Enduser kein Unterschied bemerkbar gewesen. Da auch so nicht bemerkbar war, dass es eigentlich offiziell ist, ist nicht von einem unterschiedlichen Verhalten auszugehen.

    Das ist die Hypothese. Sowas belegt man, indem man empirische Daten erhebt. Es hat sich bewährt, nur solche Belege und keine analogen Schlussfolgerungen ohne Beleg zu akzeptieren, weil da meist der Teufel im Detail steckt. So ist eben die Annahme, dass es überhaupt ein echtes illegales Angebot gegeben hätte, auch noch unbelegt.

  28. Thalon sagt:

    Dass dieser Schluss folgerichtig und schlüssig ist sieht man bei allen Arten von Fälschungen. Die Leute reagieren gleich wenn das Angebot echt ist und wenn es nicht von einem echten Angebot zu unterscheiden ist.
    Ich habe keine Annahme, dass es überhaupt ein echtes illegales Angebot gegeben hätte, somit ist hierzu nichts zu belegen.

  29. Alex Schestag sagt:

    Schlüsse können folgerichtig und schlüssig erscheinen, es aber nicht sein. Und das sage ich jetzt als Psychologe. Für jeden Schluss braucht es einen Beleg.

  30. Thalon sagt:

    Laut der aktuellen DCN Studie ist einem sehr hohen Anteil der Bevölkerung bewusst, dass die Verteilung von urheberrechtlich geschütztem Material illegal ist. Dennoch fällt es weniger als 50% der Bevölkerung schwer dies zu unterscheiden.
    http://www.musikindustrie.de/fileadmin/news/publikationen/DCN-Studie_2013_Vollversion_Final.pdf

    Was die tatsächlich Betroffenen über das Thema wissen und wie sie dazu handeln lässt sich hier auf aktuell 76 Seiten nachlesen:
    http://www.e-recht24.de/forum/832-tauschboerse-nur-downloaden-illegal.html

    Ich könnte hier ewig lange Listen an Links auflisten, die du nicht lesen wirst bzw. sehr viel befindet sich in Offline-Literatur.
    Für eine Doktorarbeit würde ich sie dir zusammensammeln und sauber zitieren.

    Die Quintessenz ist, dass fast allen bewusst ist, dass sie eine illegale Handlung begehen, insbesondere wenn die Quelle explizit als „CRACKED“ gekennzeichnet ist.
    Wenn das geladene Objekt dann wider erwarten doch legal ist ist das sicher erfreulich, aber für die wenigsten relevant.

    Ansonsten gehört laut Wissenschaftstheorie die prinzipielle Widerlegbarkeit zu jeder These dazu.

  31. Thalon sagt:

    Natürlich meinte ich: es fällt mehr als 50% schwer illegal und legal zu unterscheiden..

  32. Alex Schestag sagt:

    Dass ihnen bewusst ist, dass sie eine illegale Handlung begehen, ist doch nur ein Nebenaspekt, der noch nichts über ihre Motive und über die tatsächlichen Folgen solcher Downloads aussagt. Das Problem an der Diskussion ist, dass automatisch davon ausgegangen wird, dass illegale Downloads einen wirtschaftlichen Schaden für die Urheber oder Rechteverwerter bedeuten. Darauf beruhen auch die Verlustberechnungen der Contentindustrie. Da wird einfach jeder illegale Download mit einem nicht getätigten Kauf gleichgesetzt, wodurch dann natürlich riesige Verlustsummen zustande kommen. Und eben diese simple und naive Gleichsetzung darf angesichts der Datenlage stark in Frage gestellt werden. Denn nicht zuletzt die genannte EU-Studie zeigt doch, dass durch illegale Downloads oftmals faktisch kein Schaden entsteht, weil diejenigen, die sich Software, Musik oder andere digitale Güter illegal ziehen, sie nicht legal gekauft hätten, wenn es keine illegale Quelle gegeben hätte. Vielmehr gibt es in einzelnen Bereichen sogar Hinweise darauf, dass illegale Downloads zu einer Zunahme legaler Käufe führt, weil sich die Downloader später das Produkt legal kaufen, weil es ihnen gefällt.

    Und nochmal zu diesem speziellen Fall: Hier muss an empirischen Daten belegt werden, dass es in der Realität tatsächlich überhaupt zu so vielen illegalen Downloads gekommen wäre, ehe man solche Schlüsse zieht.

    Was die Wissenschaftstheorie angeht: Ja und nein. Richtig ist, dass zumindest nach Poppers kritischem Rationalismus Annahmen nur widerlegt und nicht bewiesen werden können. In anderen wissenschaftstheoretischen Strömungen – etwa bei Kuhn – wird das etwas anders gesehen, aber das nur nebenbei. Man kann aber sehr wohl eine Annahme anhand empirischer Daten belegen. Belegen ist etwas anderes als beweisen, da ein Beleg kein endgültiger Beweis ist.

  33. Thalon sagt:

    Das hat zwar mit meinen Aussagen nichts zu tun, aber richtig ist es.
    Ich schätze (siehe oben), dass nur 1-3% es überhaupt gekauft hätten, zusätzlich dazu kommen die indirekten Verkäufe durch „Werbung am Manne“. Wenn Freunden das Spiel gefällt wird es in Folge dann eventuell von diesen gekauft.
    Auf das dürften auch die Macher von Game of Thrones spekulieren, die sich über die hohe Beliebtheit in Downloadportalen durchaus ein wenig zu freuen scheinen.

    Da die Downloads trotz bewusster Illegalität ganz normal durchgeführt werden ist dies für mich ein weiterer Beleg, dass es keinen Unterschied macht ob verdeckt illegal (sprich: legal) oder echt illegal.

    Da sich die Postings hier total im Kreise drehen und ich herauslesen kann dass gar nicht ankommt was ich eigentlich sagen möchte ist eine weitere Diskussion wohl überflüssig. Dauernd werden Schlüsse unterstellt, die ich nicht postuliert bzw. denen ich explizit widersprochen habe.

    Thalon

  34. Alex Schestag sagt:

    Sehe ich auch so, dass hier eine weitere Diskussion keinen Sinn ergibt. Nur noch eins: Du siehst die Implikationen der Schlüsse, die ich ziehe, nicht. Der Aufreger war ja: „93% haben unser Spiel „pirated“ – was gelogen war, da das inszenziert war – und nur ganz wenige gekauft.“. Daraus wurde sofort überall eine Veurteilung der bösen Downloader, die ein kleines Indie-Unternehmen angeblich massiv schädigen. Die genannten Studien legen aber den Schluss nahe, dass kaum jemand, der sich das Spiel über den Torrent gezogen hat, das Spiel legal gekauft hätte. Die ganze Affaire war also nicht nur ein Schmierentheater der Urheber, die daraus gezogenen Schlüsse entbehren auch noch jeglicher Grundlage. Und das ist ein klarer Beleg für die Richtigkeit meines Schlusses aus dem Titel des Blogposts: viel Aufregung um nichts.

  35. Thalon sagt:

    Mein Schluss ist, dass sehr viele konsumieren wollen ohne dafür selbst bereit sind eine Leistung (meist aka Geld) zu erbringen.
    Auch wenn es inszeniert war wurde die Version zu über 90% (zumindest moralisch) geklaut bzw. unter Anführungszeichen „pirated“.
    Selbst wenn für das Studio nicht mehr (oder sogar weniger) Geld herausgekommen wäre finde ich die zugrunde liegende Geisteshaltung durchaus problematisch.
    Ich denke das kann man dann so stehen lassen.

    Schönes WE wünsche ich noch!
    Thalon

  36. Alex Schestag sagt:

    Den Schluss kann man ziehen, ja. Man muss dabei eben aber auch bedenken, dass sie nicht konsumieren würden, wenn es keinen anderen Weg gäbe, als Geld dafür zu bezahlen. Die Geisteshaltung mag daher problematisch sein, die praktischen Auswirkungen auf den Umsatz der Urheber sind jedoch nur gering. Zudem sind illegale Downloads faktisch nicht kontrollierbar, ohne einen unverhältnismäßigen Überwachungsapparat einzurichten. Nicht umsonst diskutiert die Politik, ob es daher nicht sinnvoll wäre, die Kriminalisierung nicht gewerbsmäßiger Up- und Downloads zu beenden und Modelle einzuführen, die die dem entgegenwirken könnten, dass die Leute konsumieren, ohne zu bezahlen, Stichwort Kulturflat. Die Modelle und vor allem ihre praktische Umsetzung sind ohne Frage nicht unproblematisch, aber Urheber sollten dennoch mal darüber nachdenken. Sie hätten Vorteile davon, weil sie Geld für bisher illegale Downloads bekämen, für die sie bisher kein Geld bekommen.

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