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Der Webmaster Friday stellt heute eine besonders interessante Frage, nämlich wie mit Ironie im Internet umgegangen werden sollte.

Ironie bezeichnet kurz gesagt ein sprachliches Stilmittel, mit dem eine Aussage getroffen werden soll, indem der Sprecher nicht das sagt, was er sagen möchte, um das auszudrücken, was er sagen möchte. Oftmals, aber nicht immer, wird bei ironischen Aussagen mit der gegenteiligen Aussage dessen, was man sagen möchte, gearbeitet.

Ein Beispiel: Wenn mir nun mitten im Schreiben der Rechner abstürzt und Teile dieses Artikels dadurch verlorengehen, könnte ich ausrufen: „Das ist ja klasse!“, obwohl ich das natürlich gar nicht klasse finde, sondern das Gegenteil dessen meine, weil ich mich über den Absturz und den Datenverlust ärgere.

Ob eine Aussage ironisch gemeint ist, ist also am Kontext erkennbar. Und hier zeigt sich bereits ein Problem ironischer Aussagen in der Online-Kommunikation. Offline ist Ironie oftmals auch ohne genaue Kenntnis des Sachverhalts schon am Tonfall des Sprechers erkennbar. Der Tonfall des Sprechers dürfte in den meisten Fällen sogar der Indikator schlechthin zur Erkennung von Ironie sein. Wenn wir jetzt einmal Fälle wie Telefonie über das Internet außer Acht lassen, so sehen wir, dass in der Online-Kommunikation dieser Kanal, der zur Erkennung von Ironie offline oft schon ausreicht, wegfällt.

Dennoch kann auch in der Online-Kommunikation Ironie unter bestimmten Umständen sofort erkennbar sein. Ein Beispiel: Wenn ich einen Blogartikel darüber schreibe, dass ich selbst einen Datenverlust verursacht habe, und jemand kommentiert das mit den Worten „Das hast du ja toll hingekriegt!“ oder „Das hast du fein gemacht!“, so ist hier zumindest mit Kenntnis des Sachverhalts auch ohne den Tonfall des Kommentators eindeutig erkennbar, dass es sich um Ironie handelt.

Es gibt aber auch Szenarien in der Online-Kommunikation, in denen Ironie nicht einfach aus dem Sachverhalt erschließbar ist. Nehmen wir beispielsweise an, ich schreibe einen Artikel darüber, dass die NSA die Online-Kommunikation von Ausländern komplett überwacht. Wenn nun jemand diesen Artikel lediglich mit den Worten „Das ist ja klasse!“ kommentiert, ist im Gegensatz zu meinem oben geschilderten exakt wortgleichen Offline-Ausruf in der Regel nicht erkennbar, ob die Aussage ironisch gemeint ist, ob er also ausdrücken will, dass er die Überwachung tatsächlich ganz und gar nicht klasse findet, oder ob er sie wirklich für klasse hält. Eine Ausnahme ist dann gegeben, wenn diejenigen, die den Kommentar lesen, den Verfasser des Kommentars sehr gut kennen und wissen, wie seine Einstellung zum kommentierten Sachverhalt ist. Aber davon kann man meistens erstmal nicht ausgehen.

Heißt das nun, dass ich in der Online-Kommunikation in solchen Fällen bei der Verwendung von Ironie immer genau darlegen muss, wie ich zu einem Sachverhalt stehe, damit meine Ironie verstanden wird? Mitnichten. Im Laufe der Jahre haben sich einige Stilmittel in der Online-Kommunikation herausgebildet, deren Verwendung dafür sorgen können, dass Ironie leichter erkannt werden kann, ohne dass man seine wahre Meinung erläutern muss.

Das bekannteste Stilmittel sind natürlich die Emoticons, auch Smileys genannt. Wenn der oben genannte Kommentator seiner Aussage „Das ist ja klasse!“ beispielsweise ein trauriges Emoticon „:-(“ hinzufügt, sollte für andere Leser relativ schnell klar sein, dass er den Sachverhalt eigentlich gar nicht klasse findet. Bei manchen ironischen Aussagen eignet sich zur Verdeutlichung auch ein augenzwinkerndes Emoticon „;-)“, etwa bei den oben diskutierten ironischen Aussagen „Das hast du fein gemacht!“ oder „Das hast du ja toll hingekriegt!“.

In jüngerer Zeit hat sich insbesondere in sozialen Netzwerken ein weiteres Stilmittel zur Verdeutlichung von Ironie eingebürgert. Dabei wird an die ironisch gemeinte Aussage ein „Nicht.“ angehängt. So könnte ein Überwachungsgegner im obigen Beispiel bei seinem Kommentar „Das ist ja klasse!“ verdeutlichen, dass es sich um Ironie handelt, indem er schreibt „Das ist ja klasse! Nicht.“.

Gelegentlich werden auch drei Punkte am Ende einer Aussage verwendet, um anzuzeigen, dass eine Aussage ironisch gemeint ist, also etwa „Das ist ja klasse …“.

Kennt ihr weitere Stilmittel, um in der Online-Kommunikation deutlich zu machen, dass eine Aussage ironisch gemeint ist? Findet Ihr den Umgang mit Ironie in der Online-Kommunikation schwieriger als offline?

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6 Kommentare auf “Die Sache mit der Ironie in der Online-Kommunikation”

  1. […] machte eben mit seinem Blogbeitrag Die Sache mit der Ironie in der Online-Kommunikation auf einen Aufruf des Webmaster Friday aufmerksam. Es geht darum, die eigene Sicht zum Thema Ironie […]

  2. juna sagt:

    Ich mag die Akronyme, also LOL od. WTF, auch wenn ich sie selbst nicht sehr häufig benutze. Beim Lesen des Gegenübers haben sie mir allerdings schon manches mal geholfen. Ich selbst verwende neben den Emoticons die Denkblasen/Handlungsbeschreibungen mit *, also z.B. für *augenverdreh oder *denk. Bei Twitter sehe ich ab und zu das hashtag #ironiemarker. Das finde ich besonders schön. Online-Kommunikation muss sich immer wieder vorhalten lassen, face-to-face nicht ersetzen zu können, „flacher“, „missverständlicher“ zu sein. Zuletzt habe ich dazu einen netten Workshop von Sabria David und Jörg Braun besucht. Sie haben die Veranstaltung im Untertitel: „Von der Unwahrscheinlichkeit gelingender Kommunikation“ genannt. Das ist sicher nicht falsch. Ich glaube aber, es sind grundsätzlich zwei verschiedene Arten der Kommunikation, die eher schlecht miteinander verglichen werden können. Online-Komm ist nicht flacher, es kommen ja ständig neue Ideen hinzu, die sich etablieren und die Kommunikation eindeutiger machen. Und es passiert mir genauso häufig offline, dass mich jemand nach einem klar ironischen Kommentar fragt: „Äh. Wie jetzt?“ Da wünsche ich mir dann manchmal das hashtag. Einmal habe ich es sogar mit zwei Fingern in die Luft gemalt…. *peinlich *kopfschüttel.
    Ist n bisschen lang geworden:) Grüße! juna

  3. Alex Schestag sagt:

    Stimmt, action descriptions wie *augen verdreh* und Akronyme hab ich vergessen. Die beiden Stilmittel waren ja ursprünglich vor allem im IRC üblich, wobei LOL dort nie zur Verdeutlichung von Ironie verwendet wird. Mich irritiert diese Verwendung von LOL in Kommentaren auch immer. Mittlerweile seh ich sogar Leute, die hinter jeden Kommentar oder gar jeden Satz LOL schreiben. Da frag ich mich dann, was das soll. Wollen sie einem damit signalisieren, dass man sie nicht ernstnehmen muss? 😉

    Ich stimme dir zu, dass Online-Kommunikation mitnichten flacher ist. Im Sinne der Kanalreduktions-Hypothese (s. Döring, Sozialpsychologie des Internet), müssen halt ein paar Kanäle ersetzt werden, etwa der Tonfall durch Emoticons. Es gibt Leute, die das albern finden, aber ich habe festgestellt, dass es sich meistens um Leute handelt, die Online-Kommunikation einfach nicht verstanden haben.

    Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass Online-Kommunikation gar nicht mit Offline-Kommunikation vergleichbar ist und es sich um zwei verschiedene Arten von Kommunikation handelt. Es gibt Unterschiede, ja, aber die grundlegenden Mechanismen der Kommunikation sind doch sehr ähnlich.

  4. juna sagt:

    Stimme Dir bei dem mittlerweile sehr häufigen Gebrauch von „LOL“ zu.

    Zum Punkt Vergleichbarkeit: Strukturelle Ähnlichkeiten bzw. vergleichbare Mechanismen gibt es vor allem in der persönlichen Kommunikation, also im 1:1 Gespräch per Messenger. Alle anderen, mittlerweile im Web 2.0 sehr gebräuchlichen Formen sind durch ihre diffuse Multidirektionalität (Döring bezeichnet das mit 1:n) ganz schwer theoretisch zu fassen. Kommunikationstheoretisch ist es eine Art Verhinderung der Kommunikation – aus dem „n“, an den sich ein bestimmter Beitrag richtet, muss erst einmal ein sich zu erkennen gebender Empfänger werden, auf den hin die Nachricht vom Sender noch einmal überprüft werden muss. Sehr spannend, im Übrigen. Hinzu kommt die Fixierung einer Kommunikation, die wir als „mündlich“ empfinden, im Medium Schrift. Wenn jemand unter ein Facebook-Prosting „Fuck off“ schreibt, ist ihm dann klar, dass der Beitrag noch lange nach dem Gespräch prinzipiell abrufbar bleibt…? Auch im Hinblick auf die Multidirektionalität und die schriftliche Fixierung sind die verschiedenen Ironiemarker bzw. Ergänzungen in der Online-Kommunikation überaus wichtig.:) (dieses Emoticon setze ich immer dann ein, wenn ich meinen Gegenüber face-to-face anlächeln würde! Er/Sie soll mich dann aber schon auch ernst nehmen:))

  5. Alex Schestag sagt:

    Mit dem 1:n hast du teilweise Recht – wobei ich da die Frage stelle, ob es sich in manchen Kontexten überhaupt um Kommunikation handelt. Beispiel Facebook-Kommentare. Oftmals handelt es sich doch vielmehr um eine Aneinanderreihung von Einzelaussagen, die sich nicht aufeinander beziehen. Das ist eher wie ein Raum, in dem jeder Selbstgespräche führt. Ist das noch Kommunikation?

    Aber auch bei der wirklichen 1:n-Kommunikation gibt es Möglichkeiten, den Empfänger eindeutig zu determinieren. In Facebook geht das z. B. über die @mention, in Google+ über das +, im IRC über Nickame:. Und das von dir beschriebene 1:n-Problem haben wir doch auch manchmal in der Offline-Kommunikation. Wenn ich z. B. einen Vortrag halte oder eine Fortbildung für mehrere Leute gebe, ist das auch 1:n. Und auch da habe ich die Möglichkeit, einen Seminarteilnehmer direkt anzusprechen.

    Das mit der Fixierung ist richtig. M. E. ist das ein prägendes Element der Oraliteralität, also einer Mischform aus mündlicher und Schriftsprache. Alles, was wir im Netz „sagen“, kann aufgezeichnet werden, weil es schriftlich „gesagt“ wird. Das Problem wurde schon vor 20 Jahren im IRC diskutiert. Da ging es dann um die Frage: Darf man loggen oder nicht?

  6. juna sagt:

    Interessant. So ziemlich jeder Punkt, den Du ansprichst. Meine These zum ersten Punkt ist, dass der eigentliche (beobachtbare) Kommunikationsakt in dem Augenblick zustande kommt, – bleiben wir ruhig für den Moment bei facebook-Postings – in dem ein oder mehrere Gegenüber reagieren, in Form von Kommentar oder „like“. Der Sender hat daraufhin die Möglichkeit, sich in weiteren Äußerungen auf die jeweiligen Partner zu beziehen, „zuzuschneiden“. Durch das Teilen eines Beitrags kommen sehr unterschiedliche Personen zusammen – nicht selten kann man dabei die Anfänge von Gesprächen beobachten. Die mentions helfen dann oft weiter. Manchmal aber auch nicht, wie gedacht: Die Diskussion neulich bei blognetz um den Spam war ein ganz gutes Beispiel für eine solche Situation – der Sender hat nicht damit gerechnet, dass seine Nachricht so verstanden werden könnte. Er hat sich angegriffen gefühlt und sich wenig überzeugend verteidigt, – dabei haben die expliziten mentions nicht verhindert, dass sich auch andere in die Diskussion eingeschaltet haben. Außerdem haben die wiederholten mentions pissig gewirkt:)
    Zum zweiten Punkt: In einer Vortragssituation muss dieses „n“ eingeschränkt werden. Es ist z.B. ein „n“, für die gilt: hinreichend schlau, an einem bestimmten Thema interessiert, in einen bestimmten Kontext eingebunden. Das analoge Beispiel für das, was ich meine, ist eher die Vorstellung, jemand würde sich auf einen Marktplatz stellen und seine Meinung zu einem bestimmten Thema in die ihm völlig unbekannte und sehr heterogene Masse schreien. Idealerweise wäre er dabei visuell und audiell abgeschirmt und hätte zu keinem Zeitpunkt eine Ahnung, wie viele Menschen ihn hören und ob sie ihn überhaupt hören.
    Bei drittens bin ich sehr dankbar um den Hinweis. Den Begriff der Oraliteralität kannte ich noch nicht:) Das werde ich mir noch anschauen. Insgesamt finde ich die Fragen, auch wenn sie uns nun von der Ironie weggeführt haben, sehr interessant. Um den Bogen zurückzuspannen, könnte man die These aufstellen, dass – je offener der Kommunikationsakt ist, sprich: je heterogener die potentiellen Empfänger sein könnten, desto wichtiger werden Emotions- und Ironiemarker, um eine Fehldeutung der Nachricht einzuschränken – die Möglichkeit der Fehldeutungen, würde ich behaupten, erhöht sich, je unbekannter, größer und heterogener der Kreis potentieller Zuhörer ist. Naja, also, so fürs erste und ganz grob:)

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