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Lebenszeit

Ist euch das schon mal aufgefallen? Wir unterteilen unsere Lebenszeit fein säuberlich in Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate und Jahre, vielleicht auch noch in Jahrzehnte. Das Wiederkehrende an dieser Unterteilung führt sehr schnell zu dem Eindruck, wir könnten Lebenszeit wiederholen oder nachholen. Wenn ein Tag mal nicht so gut läuft, sagen wir uns – oder andere sagen uns – „Kopf hoch! Morgen ist ein neuer Tag!“. Wenn ein Wochenende vorbei ist, freuen wir uns manchmal schon auf das nächste, weil wir die Zeit, die uns an dem vergangenen Wochenende fehlte, um Dinge zu tun, die uns wichtig gewesen wären, nachholen wollen. Wenn ein neues Jahr beginnt, nehmen wir uns vor, noch einmal von vorne anzufangen, neuzustarten. Gute Vorsätze werden gefasst für die neue Lebenszeit.

Kurz: Wir tun so, als würde Lebenszeit wiederkehren. Als würde sie sich mit jedem Tag, der neu beginnt, jeder Woche, jedem Jahreswechsel erneuern.

In Wahrheit aber ist es anders. Der Lebenszeit wohnt nichts Wiederkehrendes inne. Lebenszeit, die verflogen ist, kann man nicht wiederholen und auch nicht nachholen. Jahre, die vergangen sind, ohne dass wir Dinge getan haben, die wir tun wollten, sind verloren. Sie kommen nicht wieder. Sicher, wir können manche Dinge auch zu einem späteren Zeitpunkt tun. Besser spät als nie. Aber dennoch müssen wir dann erkennen, dass wir Lebenszeit vergeudet haben. Dass sie eben nicht wiederkehrt. Und für manches ist es vielleicht irgendwann zu spät.

Klingt das bitter? Ja, ist es auch …

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2 Kommentare auf “Lebenszeit”

  1. Eberhard sagt:

    Gute Gedanken. Und sicher sehr nachdenkenswert.

    Allerdings glaube ich, daß es nur ganz wenige Dinge gibt, für die es wirklich für immer zu spät ist. Und Geduld ist eine Tugend. Nicht alles, was man diese Woche, dieses Jahr machen kann, muß man wirklich jetzt sofort machen.

    „I want it, and I want it now“ sang einmal Chris de Burgh. Und ich glaube, er machte sich damit lustig über Menschen, die nicht warten können.

  2. Alex Schestag sagt:

    Ja, aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass man manchmal Zeit achtlos verstreichen lässt. Und manchmal ist man so sehr in gewissen Lebensumständen gefangen, dass man gar nicht merkt, wie die Jahre verstreichen – bis es für manches vielleicht wirklich zu spät ist …

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