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Die Lebenshilfe verleiht einmal im Jahr einen Medienpreis, nach dem Künstlernamen des Schauspielers Rolf Brederlow „Bobby“ genannt. Der „Bobby“ 2015 soll dem FC Bayern München verliehen werden. Die Lebenshilfe schreibt dazu:

„Den Medienpreis BOBBY der Bundesvereinigung Lebenshilfe erhält in diesem Jahr der FC Bayern München. Anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages hatte der Fußball-Club 24 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Down-Syndrom zum Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach eingeladen. Sie liefen mit den Mannschaften auf und schossen in der Halbzeitpause aufs Tor. Der 16-jährige Michael Freudlsperger war als Torschütze erfolgreich und wurde im März für das „Tor des Monats“ der ARD-Sportschau nominiert. Mit 31 Prozent gewann er schließlich die Zuschauerabstimmung. Mannschaftskapitän Philipp Lahm sagte zu der Aktion: „Down-Syndrom-Kinder sind wunderbare Menschen, voll mit Emotionen, Freude und Liebenswürdigkeit. Wir möchten allen zeigen, dass sie wichtiger und beschützenswerter Bestandteil unserer Gesellschaft sind.““

Und diese Showeinlage ist preiswürdig? Das sehe ich anders. Das ist Publicity für den FC Bayern, bringt aber in Sachen echter Inklusion nichts. Es sollten Initiativen ausgezeichnet werden, die täglich daran arbeiten, Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, und nicht Image-Kampagnen von Bonzenvereinen, denen das Thema vermutlich 364 Tage im Jahr egal ist. Oder stellt der FC Bayern nun auf einmal Menschen mit Trisomie 21 ein? Das würde mich freuen, denn das wäre echte Inklusion. Aber darüber lesen wir nichts.

Dass hier Menschen mit Behinderungen für eine Show instrumentalisiert werden, kommt noch hinzu. Das Zitat von Philipp Lahm liest sich, als ob es um Artenschutz ginge. Es geht bei Inklusion aber nicht um Affen im Zoo, die man als „schützenswert“ vorführt, sondern um Menschen als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft.

Weiter heißt es:

„Der FC Bayern hat mit seiner vorbildlichen, öffentlichkeitswirksamen Aktion zum Welt-Down-Syndrom-Tag, der jährlich am 21. März begangen wird, ein Zeichen für Vielfalt und den unvoreingenommenen Umgang mit Menschen mit einer geistigen Behinderung gesetzt. Die ARD-Sportschau hat diesen Ball mit der Nominierung von Michael Freudlsperger für das „Tor des Monats“ aufgefangen und für ein Millionenpublikum ins Bild gesetzt. Fußball weckt Emotionen, beflügelt das Wir-Gefühl, also den Gedanken der Inklusion, und begeistert Menschen mit und ohne Behinderung wie keine andere Sportart.“

Nein. Diese einmalige Show tut für Inklusion nichts. Keiner der Zuschauer wird Menschen mit Behinderungen nach dieser Show anders sehen. Dazu ist eine Vorführung von Menschen mit Behinderungen nicht geeignet. Menschen müssen einander im Alltag begegnen, damit Inklusion funktioniert.

Ebenso wenig hat diese Aktion etwas mit Vielfalt zu tun. Das Konzept der Diversity (Vielfalt) zielt darauf ab, die Stärken von Menschen zu erkennen und zu fördern. Seien wir ehrlich: Keiner der Beteiligten würde unter normalen Umständen ein „Tor des Monats“ schießen – die meisten Menschen ohne Behinderung übrigens auch nicht, weil sie eben keine Profifußballer sind. Menschen mit Trisomie 21 haben Stärken – wie alle anderen Menschen auch. Es gilt, diese Stärken zu erkennen und zu fördern, anstatt etwas zu konstruieren.

Der folgende Absatz schießt dann den Vogel ab:

„„Menschen mit Down-Syndrom auch als Mitbürger zu zeigen, die willkommen sind und einfach dazugehören, ist gerade heute besonders wichtig, wenn über eine flächendeckende vorgeburtliche Diagnose des Down-Syndroms mit dem Präna-Test diskutiert wird“, betont Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.“

Eine Showeinlage mit einer Sonderrolle sagt doch gar nichts darüber aus, dass Menschen mit Down-Syndrom „willkommen sind und einfach dazugehören“. Ich möchte nicht wissen, wieviele Menschen in diesem Stadion im Alltag einen Nachbarn mit dieser Behinderung ablehnen würden – oder nach einer entsprechenden Diagnose abtreiben würden. Eine Show wie diese ändert daran genau nichts.

Liebe Lebenshilfe und lieber FC Bayern, Inklusion und Vielfalt erreicht man nicht mit Showeinlagen, bei denen man Menschen vorführt. Dazu gehört viel Arbeit im Alltag in ganz normalen Situationen, in denen Menschen mit Behinderungen wirklich „willkommen sind und einfach dazugehören“. Dahin ist es teilweise noch ein weiter Weg. Den Weg müssen wir gehen. Jeden Tag. Und nicht nur einmal im Jahr in einem Fußballstadion bei einer Publicity-Show eines Fußballvereins!

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2 Kommentare auf “Eine zweifelhafte Preisverleihung”

  1. Eberhard Blocher sagt:

    Ich kann diesen Artikel zu 100% unterschreiben. Jedes Wort, das hier steht, ist wichtig und richtig.

    Darf man das weiterverbreiten, z.B. bei XING?

    Wobei ich ehrlich bin: eine gewisse, grundsätzliche Abneigung gegenüber dem FC Bayern, völlig unabhängig von diesem Artikel, liegt bei mir eh schon vor. Das ist durchaus zu berücksichtigen, wenn man bewertet, warum ich Deinen Artikel so toll finde. :p

  2. Alex Schestag sagt:

    Klar darfst du das verbreiten. Das ist ausdrücklich erwünscht.

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