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Derzeit wird eine Petition in vielen Medien und sozialen Netzwerken heiß diskutiert, die die Abschaffung der Bundesjugendspiele fordert. In der Petition heißt es:

„Die Bundesjugendspiele sind nicht mehr zeitgemäß: Der Zwang zur Teilnahme und der starke Wettkampfcharakter sorgen bei vielen Schülern für das Gefühl, vor der Peergroup gedemütigt zu werden.“

Ich halte die Begründung für problematisch. Warum sind die Bundesjugendspiele nicht mehr zeitgemäß? Sind es wirklich der Zwang zur Teilnahme und der starke Wettkampfcharakter, die demütigend sind? Oder ist es nicht viel mehr der gesellschaftliche Umgang mit unterschiedlicher Leistung? Die Bundesjugendspiele sind meiner Ansicht nach nur ein Symptom. Dass wir mittlerweile eine Gesellschaft haben, die die demütigt und verspottet, die vermeintlich schlechtere oder schlechte Leistungen bringen, anstatt – und das geht auch mit Wettkampfcharakter – anzuerkennen, dass Menschen eine persönliche Leistung erbracht haben, die Respekt verdient, ist das eigentliche Problem. Und darüber müssen wir eine generelle Debatte führen, die wir nicht durch die Abschaffung einer Sportveranstaltung ersetzen können. Das löst das Problem nicht.

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5 Kommentare auf “Die Bundesjugendspiele sind nicht das Problem”

  1. Atari-Frosch sagt:

    Ja, es demütigt. Und nicht erst „mittlerweile“. Ich habe das bereits in den frühen 80ern so empfunden. Immer als Letzte durchs Ziel zu laufen, immer den kürzesten Wurf zu haben, demütigt, ganz unabhängig davon, was das Umfeld dazu sagt.

    Dazu kommt: Die Erbringung einer persönlichen Leistung unter Zwang ist nichts, worauf man stolz sein müßte. Denn der Zwang und das Gefühl, hier etwas tun zu müssen, von dem schon lange klar ist, daß man kein Talent dafür hat, bleibt – auch das ganz unabhängig davon, wie das vom Umfeld anerkannt wird.

    Sollen sie ihre Bundesjugendspiele durchführen für die, die Spaß daran haben, aber der Teilnahmezwang muß weg.

    Auf die Idee, Bundesmusikwettbewerbe mit Teilnahmezwang unter Schülern durchzuführen, ist seltsamerweise (oder zum Glück?) noch niemand gekommen …

  2. Alex Schestag sagt:

    Ja, es demütigt. Und nicht erst „mittlerweile“. Ich habe das bereits in den frühen 80ern so empfunden. Immer als Letzte durchs Ziel zu laufen, immer den kürzesten Wurf zu haben, demütigt, ganz unabhängig davon, was das Umfeld dazu sagt.

    Es demütigt aber nicht jeden. Menschen gehen unterschiedlich damit um. Und dieser unterschiedliche Umgang stützt eher meine Aussage. Ich bin mir sehr sicher, dass das vor allem mit Sozialisation und Erziehung zu tun hat. Wem von Anfang an eingeredet wird, dass er ein Versager ist, wenn er nicht unter den Besten ist – und das tut unsere Gesellschaft sehr gern – den demütigt so etwas viel eher, weil das, was ihm eingeredet wird, scheinbar bestätigt wird. Wem dagegen von Anfang an vermittelt wird, dass es nicht darauf ankommt, unter den Besten zu sein, sondern im Rahmen seiner Möglichkeiten das Beste gegeben zu haben – im Sinne von „With all I’ve got I’ve taken part, I’ve made a difference to the world“ 😉 – den wird das weniger bis gar nicht demütigen.

    Das mit dem Zwang kann ich nachvollziehen. Den kann man abschaffen. Das löst aber nicht das Problem des gesellschaftlichen Umgangs mit Leistung.

  3. Atari-Frosch sagt:

    Also ich brauche nicht erst Feedback von außenrum, wenn ich immer unter den letzten bin, weil’s halt so ist. 😉

    Ansonsten werden das jetzt gerade zwei Themen: Der Zwang zur Teilnahme an einem Wettbewerb, für den nicht jeder wirklich geeignet ist, einerseits, und der gesellschaftliche oder auch persönliche Umgang mit Leistung andererseits.

    Denn wenn ich freiwillig an etwas teilnehme, obwohl ich weiß, daß ich wohl kaum eine Chance habe, jemals auf ein Siegertreppchen zu steigen, ist das nochmal was anderes. Ohne Zwang kann auch das Spaß machen.

  4. Alex Schestag sagt:

    Ich sag ja, über den Zwang kann man reden. Man kann von mir aus auch die Bundesjugendspiele abschaffen. Mir ging es aber konkret um den Leistungsaspekt und insbesondere den gesellschaftlichen Umgang damit. Was nützt es, Bundesjugendspiele abzuschaffen, wenn das problematische Prinzip in unserer Gesellschaft ansonsten fortbesteht? Wie gesagt, die Spiele sind nur ein Symptom.

  5. Ich bin ein Befürworter der Bundesjugendspiele. Jedes Jahr holte ich eine Ehren- oder Siegerurkunde. Aber ich weiß, dass die Vorbereitung auf diese Pflichtveranstaltung im Sportunterricht schlecht ist. Ich habe ganz konkrete Vorschläge, wie man den Schulsport modernisieren kann.
    Siehe http://wp.me/p4OuKv-UQ

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